Stefan Scheich, Absolvent Drehbuch

Wenn man seiner Kreativität freien Lauf lassen darf

In der Freizeit wird nicht geschrieben. Nicht mehr, seit Stefan Scheich sein Hobby zum Beruf gemacht hat: Er ist Drehbuchautor, und das mit Leib und Seele.

Seine Begeisterung für das kreative Schreiben begleitet den heute 37-Jährigen bereits seit über 30 Jahren. „Schon als kleiner Junge habe ich mir gerne Geschichten ausgedacht. Das Interesse am Geschichtenerzählen war von Anfang an da, ich weiß aber nicht, wo's herkommt“, gibt er grinsend zu. Viele seiner Erzählungen hat er auch damals schon Familie und Freunden vorgelesen. Als Zehnjähriger fing er sogar an, einen Roman zu schreiben, und an Ideen mangelte es nicht, „doch da fehlte mir noch das nötige Handwerkszeug.“

Wie kam Stefan Scheich dann zum Film? Eine erste Neigung entwickelte sich in der Kabarettgruppe der Schule. Die „Bretter, die die Welt bedeuten“, schlugen für ihn erstmals eine Brücke vom Schreiben hin zur szenischen Darstellung. Gemeinsam an einem Bühnenstück zu arbeiten, faszinierte ihn „und schon damals merkte ich, dass ich nicht der geborene Schauspieler bin, sondern viel lieber dafür schreiben möchte.“

Nach der Schule studierte Scheich zunächst an der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz Filmwissenschaft, doch seine große Neugier und sein Interesse am eigenen filmischen Schaffen wuchsen von Jahr zu Jahr. Eine besondere Gelegenheit, in ein Filmset reinzuschnuppern, ergab sich schon in den Anfängen seiner Studienzeit: Er arbeitete als Produktionsfahrer am Set von EIN FALL FÜR ZWEI und sammelte somit schon erste praktische Erfahrungen im Bereich Film- und Fernsehproduktion. „Wenn man selbst mal am Set ist, bekommt man auch ein gutes Gefühl dafür, was man dem Filmteam in seinen Drehbüchern zumutet, wenn man einen ganzen Film nachts im Regen spielen lässt.“

Als schließlich 2002 die lang ersehnte Aufnahme in den Studienschwerpunkt Drehbuch an der Filmakademie Baden-Württemberg erfolgte, war die Freude groß. Denn leicht, so Stefan Scheich, sei es nicht gewesen, dort hineinzukommen. „Filmhochschulen haben eine harte Tür, das schafft man nicht unbedingt im ersten Anlauf.“

An der Filmakademie fühlte sich der junge Autor sofort wohl, und auch wenn das Grundstudium „sehr hart“ gewesen sei, so habe es in ihm doch ein tieferes Verständnis für das Filmemachen geweckt und gezeigt, wie produktiv die Arbeit am Film sein könne. „Du lernst das Handwerk, bekommst Kontakte zu den Sendern und befindest dich vier Jahre lang in diesem unglaublich kreativen Pool von Filmschaffenden. Das strukturelle Denken und das Handwerkszeug, das man beim Schreiben braucht, habe ich auf jeden Fall an der Filmakademie gelernt. Kein Mensch kann dir hier Kreativität beibringen, nur damit umzugehen.“

Während seines Drehbuchstudiums nahm er u.a. an dem Workshop „Sat.1 Talents – Komisch schreiben“ mit Dozenten wie John Vorhaus oder Guy Meredith teil und erhielt dort wertvolle Einblicke in den Berufsalltag eines Drehbuchautoren im Film- und Fernsehgeschäft.

Dass die Filmakademie eine hilfreiche Kontaktbörse sein kann, durfte Stefan Scheich am eigenen Leib erfahren. Schon zu Studienzeiten lernte er seine heutigen Kollegen und Freunde Robert Dannenberg und Philipp Steffens kennen, arbeitete gemeinsam mit ihnen an Projekten und schaffte schon kurz nach seinem Diplom 2007 mit beiden den Sprung in die Branche: Dannenberg und Scheich hatten, inspiriert von Steffens, zusammen das Serienkonzept zu DER LETZTE BULLE entwickelt, kamen mit Sat.1 ins Gespräch und sahen schon wenige Monate später der Realisierung der ersten Staffel entgegen. Die Geschichte eines aus dem Koma aufgewachten Polizisten, der sich in seiner neuen Zeit zurecht finden muss, fand auf Anhieb großen Anklang und öffnete Scheich und Dannenberg die Türen ins Drehbuchgeschäft.

„Anderthalb Jahre nach der Filmakademie war das wirklich ein Traumstart“, erzählt Stefan Scheich heute, „ich würde sagen, mehr Glück als Verstand.“ Die Drehbucharbeit an DER LETZTE BULLE wurde 2011 mit dem Bayerischen Fernsehpreis ausgezeichnet und war 2011 und 2012 für den Deutschen Fernsehpreis nominiert.

Bis heute ist das Autorenduo Stefan Scheich und Robert Dannenberg ein unerschütterliches Team, nach DER LETZTE BULLE schrieben sie gemeinsam das Drehbuch zur RTL-Serie DER KNASTARZT. Auch zurzeit arbeiten sie an gemeinsamen Projekten, u.a. an Spielfilm-Drehbüchern. „Wichtig ist uns in einem Projekt vor allem, dass uns die Thematik interessiert und wir es für möglich halten, dass dieses bestimmte Konzept in der deutschen Fernsehlandschaft seinen Platz finden kann.“ Doch Interesse für eine Thematik reicht noch nicht. „Wenn uns für ein Thema schlichtweg der nötige Background fehlt“, erzählt Scheich, „müssen wir ein Projekt auch mal ablehnen. Wir könnten sonst nur Stereotypen beschreiben und sind somit dann einfach die Falschen für diese Thematik.“

Zur Filmakademie hat Stefan Scheich, der in Essen lebt, bis heute einen guten Draht, gibt als Dozent selbst jedes Jahr Seminare und trifft im Job immer wieder Kollegen, die er noch aus seiner Studienzeit in Ludwigsburg kennt.

Seine Begeisterung für das Schreiben ist ungebrochen. Die Geschichten, die er sich ausdenkt, werden nicht mehr im Familienkreis vorgelesen, sondern verfilmt. „Als Drehbuchautor darf man seiner Kreativität freien Lauf lassen und wird auch noch dafür bezahlt.“

Doch in der Freizeit wird bei Stefan Scheich nicht geschrieben. „Ich arbeite in meiner Freizeit sehr gerne im Garten und versuche, da etwas Ordnung reinzubringen“, erzählt er und lacht, „denn ich mache gerne Sachen, wo man am Ende sieht, dass man etwas getan hat.“ Die Bewegung an der frischen Luft sei zudem ein guter Gegenpol zur Schreibarbeit am Computer.

Wie sieht es mit Serien und Filmen aus? Kann man als Drehbuchautor vor dem Fernseher überhaupt noch entspannen? „Auf jeden Fall! Besonders gerne sehe ich mir HOW I MET YOUR MOTHER an. Das ist so toll geschrieben, dass es einfach nur Spaß macht und man beim Ansehen das Gefühl hat: Hey, das ist so gute Arbeit, besser kann man es einfach nicht machen.“

Alumni-Profil

Foto Stefan Scheich: © Stela Kostadinova-Scheich

Autorin: Meike Katrin Stein